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4. BAU DER ZUIDERZEEWERKE

Das Zuiderzeegesetz wurde verabschiedet. Jetzt wird mit der eigentlichen Arbeit an diesem Riesenprojekt begonnen. Die Leitung hat der Zuiderzeerat. Für die Durchführung der Wasserbauarbeiten wird der Dienst der Zuiderzeewerke gegründet. Dieser ist für das Anlegen der Deiche, Polder und Brücken verantwortlich.

Arbeitsbeginn

Der erste Schritt zur Abtrennung der Zuiderzee ist der Bau des 2,5 km langen Amsteldiepdijk zur Insel Wieringen im Jahr 1920. Dieses Projekt nimmt vier Jahre in Beschlag und bringt viele nützliche Kenntnisse für den Bau des Abschlussdeichs ein. Während dieser Zeit verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage infolge des Ersten Weltkriegs. Dadurch erfolgt erst 1924 die behördliche Genehmigung zur tatsächlichen Umsetzung des Zuiderzeegesetzes.

Januar 1927 wird mit dem Bau des Abschlussdeichs angefangen. Arbeiter sind sowohl von Den Oever in Nord-Holland als vom friesischen Dorf Zurich aus bei Wind und Wetter im Einsatz, um den 32 km langen Damm zu realisieren. Bis dann ist der Fischfang in der Zuiderzee noch in vollem Gange.

Eigentlich sollte der Wieringermeerpolder erst nach Fertigstellung des Abschlussdeichs angelegt werden, aber weil in den Niederlanden großer Bedarf an Ackerboden besteht, wird dieses Projekt vorverlegt. Zugleich mit dem Bau des Abschlussdeichs im Jahr 1927 wird auch mit dem Anlegen des Wieringermeerpolders angefangen. Eine der verwendeten Pumpstationen wird nach Ingenieur Cornelis Lely genannt. Als der Wieringermeerpolder fertig gestellt wird, existiert die Zuiderzee noch. Darum ist dieser Polder, der 1930 trockengelegt wird, der einzig wahre Zuiderzeepolder.

 

Im selben Jahr gründet der Minister für Wasserwirtschaft einen neuen Dienst, der Leben in den Polder bringen soll: „Dienst für die Urbarmachung der im Wieringermeer trockengelegten Böden“ (Direktion des Wieringermeerpolders). Dieser Dienst entscheidet über die Urbarmachung, die Kultivierung der Agrarflächen und darüber, was gebaut werden soll. Zwei Jahre später, am 28. Mai, wird die Fahrrinne „Vlieter“ geschlossen und ist der Abschlussdeich fertig. Die Zuiderzee ist jetzt komplett abgetrennt und damit ist das Ijsselmeer geboren. Namensgeber dieses Sees ist der Fluss die Ijssel, die in das Wasser hinter dem Deich mündet.

 

Trockenlegung der Ijsselmeerpolder

1936 beginnt der Bau des Noordoostpolderdeichs, der von Lemmer in Friesland bis zum Vollenhoverland in Overijssel reicht. Der Noordoostpolder wird ohne Randsee an das Land in Overijssel angebunden. Mitten im Krieg, im Jahr 1942, wird der Noordoostpolder dann trockengelegt. Der deutsche Feind lässt das 48.000 Hektar große neue Land unbehelligt. Untergetauchte machten dankbar Gebrauch vom Noordoostpolder als Unterschlupfort. Damals wird dieser Polder denn auch das niederländische Paradies für Untergetauchte genannt.

 

Bei der Trockenlegung des Noordoostpolders hat man viele Kenntnisse gewonnen. Unter anderem aufgrund dieser Kenntnisse beschließt man, beim östlichen und südlichen Ijsselmeerpolder einen Randsee anzulegen. 1957 wird Ost-Flevoland trockengelegt, 1968 ist dann auch Süd-Flevoland soweit. Danach sieht der Plan Lely noch den Markerwaardpolder vor. Zur Vorbereitung wird zwischen Nord-Holland und Lelystad ein Damm angelegt. 1975 wird die letzte Lücke in diesem Damm zwischen Lelystad und Enkhuizen geschlossen. Der geplante Markerwaardpolder wird letztendlich jedoch nie realisiert.

 

Mit der Trockenlegung des Bodens beginnt die Arbeit erst. Das neue Land muss auch noch eingerichtet und gestaltet werden. Die Direktion des Wieringermeerpolders nimmt sich dieser Aufgabe für diese Polder an und bekommt 1963 einen neuen Namen: Reichsdienst für die Ijsselmeerpolder (RIJP). Dabei geht es nicht nur um die Wasserbauarbeiten und die Urbarmachung des Landes, sondern bemüht man sich auch, die neue Gesellschaft in gute Bahnen zu leiten. Dazu nutzt man wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf Flächennutzung, Demographie, Soziographie sowie Planung und Bau von Dörfern und Städten. Das Ganze wird auf dem Zeichentisch entworfen und eingerichtet. Das lässt sich an den Poldern auch ablesen: viele lange und gerade Straßen und Parzellen. Eine gestaltbare Gesellschaft auf einem Stück Neuland.

 

1951 findet an der Technischen Hochschule in Delft eine Ausstellung über die Trockenlegung der Zuiderzee statt. Hier können Sie sich die niederländischen Kinonachrichten darüber vom 1. Januar 1951 ansehen.

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